«Das Zwischenmenschliche muss passen.»
Nachdem Sämi Giger in Herisau war, um seinen auslaufenden Sponsoringvertrag zu verlängern, nutzten wir die Gelegenheit, um ihn zur kommenden Saison, dem Thema Partnerschaften und seinen Naturerfahrungen zu löchern.
von
Ramona Kaderli
VerkaufsberatungZuletzt sah man dich am ESAF letztes Jahr in Pratteln – was geschah seither; was hast du in der Zwischenzeit getan?
Direkt im Anschluss ans Eidgenössische gings erstmal in die Ferien. Gemeinsam mit meiner Partnerin sind wir für acht Wochen nach Australien – ein tolles Land. Danach ging aber auch der Trainingsalltag bereits wieder los. Mit einigen Anpassungen zwar: Im mentalen Bereich arbeite ich jetzt mit einem neuen Betreuer zusammen. Und daraus hat sich dann eigentlich auch ergeben, dass ich mittlerweile auch im Athletik-Training auf neue Methoden und Personen setze. Mit beiden hat der Start prima geklappt. Eine Veränderung gabs zwar noch – ich habe mein Arbeitspensum reduziert, um mich noch besser auf die diesjährige Saison vorbereiten zu können.
Du beschränkst dich in Sachen Sponsoring auf fünf Partner, einer davon Zubi. Wieso diese Limite? Welche Ansprüche hast du an deine Partner? Und was an Zubi gab für dich den Ausschlag zur Zusammenarbeit?
Ich halte mich da an die Devise «Qualität vor Quantität» – lieber habe ich wenige Partnerschaften, dafür solche, die beide weiterbringen. Und kann mir dadurch dann natürlich auch besser Zeit nehmen, mich um die einzelnen Sponsoren zu kümmern. Um einen Sponsoring-Vertrag einzugehen, sind mir zwei Dinge besonders wichtig: Die Werte der Firma und die Beziehung zu den Kontaktpersonen. Das Zwischenmenschliche muss passen. Denn wenn meine Sponsoren etwas von mir brauchen – oder umgekehrt – dann möchte ich, dass das alles unkompliziert abläuft, dass man gerne füreinander da ist. Da nützt auch ein hochdotierter Vertrag nichts, wenn man danach keine Freude hat. Mein grosses Glück ist, dass dies mit all meinen fünf Sponsoren der Fall ist. Deshalb habe ich nun für die nächsten Sponsoringverträge auch alles beibehalten.
Wie, wie oft und wie lange trainierst du zurzeit? Unterscheidet sich dein Training in der Zwischensaison & in der Saison?
Mein Training lässt sich eigentlich grob nach Sommer und Winter unterteilen. Im Winter trainiere ich etwas mehr und intensiver und im Sommer lege ich mehr Augenmerk auf die Regeneration. Da habe ich dann jeweils drei Schwingtrainings à 90 Minuten, drei Athletiktrainings à 90 Minuten und eine Stunde Mentaltraining pro Woche. Dazu kommen dann noch zwischen 60 und 90 Minuten Massage und 1.5 Stunden in der Kältekammer oder in der kalten Thur. Möchte man die An- und Rückreise auch noch dazunehmen, dann kommen wir auf einen Trainingsaufwand von 20 bis 24 Stunden pro Woche.
Inwiefern achtest du und andere Schwinger auf die Ernährung?
Wie überall ist das auch im Schwingsport von Mensch zu Mensch unterschiedlich – manche essen strikt nach Ernährungsplan, aber die meisten wohl eher nicht so. Zu letzteren gehöre auch ich dazu (lacht.) Ich gehe da hauptsächlich nach Körpergefühl, schaue aber sicher dass ich genügen Kohlenhydrate und Eiweiss sowie Vitamine zu mir nimm. Essen ist für mich eine Gemütssache; da ist mir wichtig, dass es fein ist. Ausserhalb der Saison schaue ich weniger auf die Ernährung, da gönne ich mir zum Beispiel auch mal das ein oder andere Glacé. (schmunzelt.)
Wo setzt du in der diesjährigen Schwingsaison den Schwerpunkt? Welche langfristigen Ziele hast du noch in deiner Schwingkarriere?
Ganz klar an der Unspunnenschwinget – die findet nur alle sechs Jahre statt und an der letzten konnte ich aufgrund einer Verletzung nicht teilnehmen. Langfristig gibt es sicher ein paar Erfolge, die ich gerne einmal noch feiern können möchte. Aber das wichtigste langfristige Ziel ist für mich eigentlich meine Gesundheit. Und wenn die passt, ergibt sich der Rest von alleine. Dann kannst du im Training Vollgas geben und fühlst dich auch sicherer an den Festen.
Nachdem wir letztes Jahr mit unserer Kundschaft einen Blick in die Beziehungskiste geworfen haben, werden in der diesjährigen Kampagne unsere Produkte auf die Probe gestellt: Denn die Natur ist unsere Jury. Damit unsere Kundschaft bei jedem Wetter punktet. Als Schwinger kennst du dich mit Punktgewinnen bzw. -abzügen aus. Nach welchen Kriterien werden deine Gänge benotet?
Bei einem Sieg kann man davon ausgehen, dass eine 9.75 geschrieben wird – es sei denn, es handelt sich um einen Blattwurf. Da wird die Maximalnote 10 vergeben. Verliert man, erhält man normalerweise eine 8.5. Es sei denn, man hat viel Einsatz gezeigt oder war vielleicht sogar nahe am Sieg. Das wird dann mit einem Viertelpunkt belohnt, es wird also eine 8.75 geschrieben. 8.75 ist zugleich die Standard-Note bei einem «Gstellte», einem Unentschieden. Jedoch wird auch hier in manchen Fällen Einsatz und Risikofreude mit einem Viertelpunkt belohnt und eine 9 vergeben. Es kann aber auch vorkommen, dass Abzüge vorgenommen werden – bei unsportlichem Verhalten zum Beispiel.
Was waren die speziellsten Wetterbedingungen, unter welchen du schon schwingen musstest?
Egal ob bitterkalt oder glühende Hitze – das ist beides nicht wirklich angenehm. Bei Schneefall aber ist’s besonders mühsam; dann ist alles nass und kalt, man verliert das Gefühl in den Fingern und der Zwilch (die Schwinghose) wird unbeweglich. In dieser Kombination fällt es einem dann schwer, richtig zu greifen.
Persönlich sind mir Frühlingstemperaturen – so zwischen 15 und 20 Grad – am liebsten bei leichter Bewölkung am liebsten.
Wo nimmst du Natur am intensivsten wahr? Hat auch dir die Natur schon Grenzen aufgezeigt?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Wo eigentlich sekundär ist. Solange man bewusst den Moment lebt und die Augen offen hält. Trotzdem erlebe ich Natur am liebsten in den Bergen – es geht einfach nichts über frische Höhenluft und ein schönes Panorama.
Grenzen hat mir die Natur bisher selten – und wie du gleich hören wirst, wenn, dann sanft – aufgezeigt, ich bin nicht so der Typ «Adrenalinjunkie», der das auch ein wenig sucht.
Ein Erlebnis, das mir aber geblieben ist, war beim Wandern in der Nähe der Lenzerheide. Gemeinsam mit meiner Freundin wollten wir auf einen Berg, aber auf dem Weg ist dann plötzlich der Pfad im Schnee verschwunden. Als dann auch noch das Wetter umschlug und dermassen Nebel aufzog, dass man nichts mehr sah, mussten wir definitiv umkehren.
Brodworscht oder Cervelat? | Brodworscht |
Fussball oder Hockey? | Hockey |
Auto, Töff oder eher ÖV? | Auto |
Bodenkampf oder im Stand? | im Stand |
Kraft oder Technik? | Technik |
Zmorge – ja oder nein? | ja |
Süsses oder Salziges? | Salziges |
Camping oder 5-Sterne-Ressort? | Camping |
Kaffee oder Tee? | Kaffee |
Kalte oder warme Dusche? | warme |
Winter oder Sommer? | Sommer |
Ferien – Berge oder Meer? | Berge |
Buch oder TV? | TV |
Fondue oder Raclette? | Raclette |
Film oder Serie? | Film |
Modisch oder bequem? | bequem |
Joggen oder Wandern? | Wandern |
Partygänger oder Couchpotato? | Couchpotato |